SCHEUNE
ALAUNSTRASSE 36-40
01099 DRESDEN
AUFRUF...
...an die Musik-, Kunst- und Kulturschaffenden (nicht nur) der Äußeren Neustadt
Dresden, 23.10.2006
Was in der Nacht zum 15.10.2006 begann, hat sich über das Wochenende 20./21.10 fortgesetzt:
jugendliche Hooligans verwandeln den öffentlichen Strassenraum im Bereich der Kreuzung Alaunstrasse
/ Katharinenstrasse in ein unpassierbares Gelände für Anwohner und Besucher der Äußeren
Neustadt und provozieren Auseinandersetzungen mit der Polizei. Wir dürfen uns an den Herbst des
Jahres 2004 erinnert fühlen, als die Alaunstrasse über Wochen hinweg Schauplatz von Ausschreitungen
gewesen ist oder auch an die Fußball Weltmeisterschaft, als die Kreuzung Görlitzer / Louisenstrasse
betroffen war.
Zum Hintergrund der in der Öffentlichkeit nur noch als „Neustadt-Krawalle“ verhandelten Ereignisse ist
unterdessen klar geworden, dass die Jugendlichen zum überwiegenden Teil aus den Dresdner Stadtteilen
und dem Umland zusammenströmen, um besonders an den Wochenenden ihre Vorstellung von
Freizeitgestaltung zu verwirklichen. Es ist auch bekannt, dass das Klientel bunt gemischt ist: Gothics
treffen Punks treffen Hooligans treffen Skinheads und sonstige; eine Mischung, die es möglicherweise
besonders schwer macht, die Beweggründe dieser jungen Leute zu verstehen. Was man auch nicht
verstehen muss ist ihre Vorstellung, ihr Verhalten sei in der Neustadt akzeptiert und toleriert „weil es
die Neustadt ist“. Diesen Satz hat jeder schon einmal gehört, der versucht hat, des Nachts unter seinem
Fenster Bierflaschen zerschlagende Jugendliche für die Notwendigkeit von Nachtruhe zu sensibilisieren.
Wir sind der Auffassung, dass die merkwürdige Legende von der Neustadt, in der jeder zu jeder
Zeit nach Bedarf herumschreien kann, dringend widerlegt werden muss.
Der scheune gelingt es immer schlechter, das potentielle Publikum für Veranstaltungen tatsächlich
zum Betreten des Grundstücks zu veranlassen: für jeden, der das nicht unbedingt muss oder will, ist
es naheliegender und mit Sicherheit angenehmer, die Strassenseite zu wechseln.
Die scheune ist nur der augenfälligste Betroffene: jeder Einzelne, der in der Neustadt lebt oder
arbeitet, muss sich fragen, ob er diese Situation imitten eines Arbeits- und Lebensortes weiter
hinnehmen will.
Wir sind entschlossen, das zu versuchen, was uns unter den gegebenen Umständen möglich erscheint:
Veranstaltungen durchführen. Diese sollen das betroffene Gebiet von einer no-go-area in
einen Treffpunkt Gleichgesinnter und vielleicht ein kulturelles Ereignis typisch Neustadt verwandeln.
Wir, das ist die scheune und der scheune e.V., der die scheune ab 01.01.2006 betreiben wird, in
Zusammenarbeit mit Unterstützern.
Konkret:
mit Start am 27.10. soll für einen gewissen Zeitraum jeweils Freitags und Samtags zwischen
19 und 24 Uhr das strassenseitige Freigelände gegenüber des Ararat-Döners bespielt werden - wenn
die Kräfte reichen vielleicht auch der gesamte strassenseitige Abschnitt des scheune-Grundstücks.
Wir stellen: Strom, Licht, heisse und kalte Getränke.
Wir suchen: Bands, Strassenkünstler, Gaukler, Aktionen aller Art.
Wir bieten: die realistische Chance, das Gebiet langfristig zu befrieden und ein nicht unbedeutendes
Signal der Zivilcourage durch Neustädter Bürger und Aktive
Um Anmeldung wird gebeten; Kontakt:
Paul Simang, Tel. 0351 804 38 22 / 0176 222 397 39
Email info@scheune.org